Der Janusbrunnen in der Kavarinerstraße ist eine kleine Station, an der sich eine große Frage stellen lässt: Wann ist ein Gegenstand im Stadtraum Kunst, wann Ausstattung und wann beides? Die Stadt Kleve führt den Ort ausdrücklich als Kunstwerk mit eingebautem Trinkwasserbrunnen. Damit unterscheidet er sich von einem rein dekorativen Wasserbecken. Seine Betrachtung kann ebenso vom Gebrauch wie von seiner Form ausgehen.

Nicht nur im Vorbeigehen anschauen

Beginnen Sie mit der Lage im Straßenraum. Aus welcher Richtung bemerkt man das Werk zuerst? Kann man es von mehreren Seiten betrachten, und wie bewegen sich Passanten daran vorbei? Eine Skulptur im Museum hat häufig einen bewusst freigehaltenen Betrachtungsbereich. In einer Einkaufsstraße teilt sie sich den Raum mit Wegen, Auslagen und Menschen, die ganz andere Ziele haben.

Bleiben Sie deshalb zunächst etwas seitlich stehen. Unterscheiden Sie den gesamten Umriss von einzelnen Figuren und Details. Eine Nahaufnahme kann ein Detail gut zeigen, aber den Zusammenhang mit dem Straßenraum verlieren. Nehmen Sie bei Interesse zuerst eine Ansicht aus größerem Abstand auf und erst anschließend ein engeres Bild. So lässt sich später nachvollziehen, warum das Werk gerade an dieser Stelle auffällt.

Gebrauch ist Teil der Gestaltung

Die städtische Einordnung als Trinkwasserbrunnen benennt eine konkrete Funktion. Sie bedeutet nicht, dass Wasser zu jeder Jahreszeit und an jedem Tag verfügbar sein muss. Beachten Sie den aktuellen Zustand und örtliche Hinweise. Halten Sie den Auslass sauber, benutzen Sie nur den vorgesehenen Bereich und rechnen Sie für einen längeren Ausflug nicht mit dieser Stelle als einziger Wasserquelle.

Für eine Beobachtung ist die Verbindung von Kunst und Nutzen interessant: Muss man näher herantreten, um die Funktion zu entdecken? Verändert eine Person, die Wasser nimmt, den Eindruck des Ensembles? Solche Fragen zeigen, dass die Bedeutung eines öffentlichen Werks auch durch Handlungen entsteht, nicht nur durch ein erklärendes Schild.

Mit anderen Stadtbrunnen vergleichen

Wenn Sie später den Elsabrunnen betrachten, achten Sie auf den Unterschied zwischen einer erzählenden Figurengruppe und dem Janusbrunnen als Teil alltäglicher Infrastruktur. Vergleichen heißt dabei nicht, einen Sieger zu bestimmen. Es geht darum, verschiedene Aufgaben im selben Stadtzentrum wahrzunehmen.

Ein kurzer Halt ist ausreichend, wenn Sie eine eigene Beobachtung mitnehmen: etwa den Wechsel der Wirkung beim Umrunden oder den Zusammenhang zwischen Standort und Nutzung. Lassen Sie Durchgänge frei und respektieren Sie die Privatsphäre anderer Menschen beim Fotografieren. Gerade weil kein Museumseingang den Besuch markiert, hilft diese Aufmerksamkeit, Kunst im Alltag wirklich zu sehen.